Samstag, 11. Januar 2014

Antrag: Jugendstadtrat für Cloppenburg




Eine Initiative der Jusos und Junge Union

Generell ist Politik ein für die Bürger abstrakter, ferner Lebensbereich. Dies gilt besonders für junge Menschen, deren politische Einordnung noch nicht abgeschlossen ist. Von daher liegt das politische Interesse jüngerer Menschen in der Regel niedriger als das der Erwachsenen. Junge Menschen brauchen oft mehr Motivation und mehr Bezug zur heutigen Politik, um ein politisches Engagement in Erwägung zu ziehen. Kinder und Jugendliche haben aber sehr wohl Gefühle, Meinungen und machen sich ihre Gedanken zu ihrem Wohn-, Schul- und Lebensraum.
Jugendliche sind nicht per se politikverdrossen, vielmehr zeichnet sich eine zunehmende Politiker- und Parteienverdrossenheit unter den Jugendlichen ab. Politiker und Parteien müssen sich daher bemühen, andere, jugendspezifische Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen, um die Bindung zu den nachwachsenden Generationen nicht zu verlieren.
Die Möglichkeit, ihre Anliegen vorzutragen, wurde der Jugend völkerrechtlich zugesichert gem. Art. 12 Abs. 1 der UN-Kinderrechtskonvention: „Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“ Auch in Niedersachsen ist in § 36 NKomVG ein solches Recht niedergeschrieben. „Gemeinden und Samtgemeinden sollen Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen. Hierzu sollen die Gemeinden und Samtgemeinden über die in diesem Gesetz vorgesehene Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner hinaus geeignete Verfahren entwickeln und durchführen.“

Leider gibt es in Cloppenburg zu wenige Möglichkeiten und Räume, wo Kinder und Jugendliche mitreden, mitgestalten und mitentscheiden dürfen. In der Gemeinde Lastrup hingegen funktioniert dies schon sehr gut mit Hilfe eines „Jugendparlaments“. Mit der Bildung eines Jugendparlaments sollen die Jugendlichen in den demokratischen Willensbildungsprozess einbezogen und das politische Verantwortungsbewusstsein gefördert, aber auch ihre Ideen und Anregungen angehört und unterstützt werden. Dabei können Kinder und Jugendliche ihre Meinung der jeweiligen Gemeinde frei äußern. Dies bezieht sich z.B. auf die Freizeitgestaltung, übergreifende Schulprojekte, Bau von Sportanlagen o.ä.
Auf Nachfrage erklärte das Lastruper Rathaus das deren Jugendparlament schon einige Erfolge geleistet habe. Das Jugendparlament in Lastrup gibt es nun seit 2011, die Amtszeit beträgt 2 Jahre. Bei der letzten Wahl lag die Wahlbeteiligung bei 28 %, im Jahr 2013 wurde eine Beteiligung über 30 % erzielt.  Es gibt 7 Plätze im Jugendparlament für Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 20. Die Freude über das Jugendparlament ist groß, Schüler sind begeistert und er-staunt, dass man solch Erfolge wie eine neue Skateranlage oder Sportwochen feiern kann.

Es würde der Stadt Cloppenburg als „jüngste Stadt Deutschlands“ gut tun, hier einen Schritt nach vorne für mehr Partizipation zu machen und durch die Einführung eines solchen Instruments der Mitwirkung Jugendlicher ab dem 12. Lebensjahr ebenfalls das nötige Gewicht zu verleihen. Was Lastruper Jugendliche können, sollen auch Cloppenburger Jugendliche können. Durch die Parlamentsarbeit wird den Kindern und Jugendlichen Demokratie und Politik erleb- und spürbar gemacht. Die Erfahrungen aus dem „Jugendparlament“ bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, auch im gesellschaftlichen Zusammenleben entsprechend zu handeln. Jugendliche lernen, was es bedeutet, Kompromisse einzugehen. Sie lernen, ihre eigene Meinung zu vertreten und welche Wege in der Politik für die Umsetzung eines Projekts gegangen werden müssen. Es wird den Jugendlichen ermöglicht, Verantwortung zu tragen und mit politischen Rechten und Pflichten umzugehen. Jugendparlamente sind nicht nur eine sehr gute Grundlage für eine politische Karriere, sondern auch für den weiteren Lebensweg.
Die Stadt Cloppenburg hatte aber schon einmal ein „Jugendparlament“. Beim dieser Art von „Jugendparlament“ wurden alle Klassensprecher und deren Stellvertreter von den Cloppenburger Schulen an einem Nachmittag in die Aula der Wallschule eingeladen, wo sie in einer gemeinsamen Runde Vertretern der Stadt, Polizei und Politik ihre Anliegen vortragen konnten. Diese Art der Mitbestimmung vermisste jedoch Effizienz und ließ bei den beteiligten Jugendlichen schnell Frust aufkommen. Zum einen waren zu viele Jugendliche und Kinder eingeladen, was einen geordneten Ablauf der Veranstaltung nur spärlich zuließ. Zum anderen glaubten nur wenige Kinder daran, dass ihre Wünsche und Anliegen ernsthaft Berücksichtigung fanden. Darüber hinaus wurde das Jugendparlament von Jugendlichen zu schulspezifisch und weniger als Instrument für die gesamte Stadt Cloppenburg wahrgenommen. Das lag unter anderem auch daran, dass viele Klassensprecher an der Veranstaltung teilnahmen, die eigentlich in Garrel oder anderswo wohnten und keinerlei außerschulischen Bezug zu Cloppenburg besaßen. Diese Fehler muss ein neues Mitbestimmungsinstrument korrigieren.
Den Einwand, dass es mit dem jüngst beschlossenen „Schülerhaushalt“ der Bertelsmann-Stiftung ein ähnliches Projekt schon besteht, lassen wir nicht gelten. Der Schülerhaushalt hilft nur der teilnehmenden Schule. Ein demokratisch legitimierter Jugendstadtrat dient hingegen der gesamten Stadt. Er vertritt die Interessen und Anliegen aller Jugendlichen und nicht nur die Ziele einer bestimmten Schule. Darüber hinaus sollten wir uns als Kommune davor hüten, die Politisierung und Demokratisierung unserer Jugend allein privaten Stiftungen zu überlassen.

Wir wollen einen effizienten, demokratisch legitimierten und selbständigen „Jugendstadtrat“. Ähnlich wie beim „normalen“ Stadtrat können sich Jugendliche, zwischen 12-17 Jahren, für ein „Ratsmandat“ zur Wahl stellen. Jeder Jugendliche dieser Altersklasse, der zudem in Cloppenburg wohnhaft sein muss, kann sich darum bewerben. In einer zweiwöchigen Wahl können alle Cloppenburger Jugendlichen, die ebenfalls zwischen 12-17 Jahre alt sein müssen, sich für einen der aufgestellten Kandidaten entscheiden. Die Wahlurne hierfür könnte unproblematisch zu Geschäftszeiten im Ratshaus aufgestellt werden. Ein „Wahlkampf“ politisiert die Jugendlichen untereinander. So konnte man in Lastrup beobachten, dass sich die Jugendlichen untereinander motiviert haben, wählen zu gehen, um ihre Freunde und Bekannte für Jugendstadtrat zu unterstützen. Am Ende sollen 11 Jugendstadtratsmitglieder für 2 Jahre den „Jugendstadtrat“ bilden und die Interessen und Anliegen der Cloppenburger Jugend glaubhaft vertreten. Damit der „Jugendstadtrat“ von den beteiligten Jugendlichen nicht wieder als „zahnloser Tiger“ empfunden wird und Frustration aufkommt, muss diesem Instrument von Beginn an „Gestaltungsmacht“ verliehen werden. Das stärkste Zeichen echter Souveränität ist die Budgethoheit. Ein „Jugendstadtrat“ muss ein eigenes Budget zugewiesen bekommen, das er eigenständig und nach Mehrheitsbeschluss für Projekte, die unmittelbar oder mittelbar der Jugend zugutekommen, einsetzen kann. Dieses jährliche Budget sollte 2.000 Euro nicht unterschreiten, um dem „Jugendstadtrat“ nicht jeglichen Handlungsspielraum zu rauben. Als zweites wichtiges Mittel sollte der „Jugendstadtrat“ die Möglichkeit erhalten, Anträge auf die Tagesordnung des nächstfolgenden Ausschusses für Familie, Soziales, Jugend, Sport, Kultur und Markt zu setzen. So finden Anliegen der Jugend direkt beim zuständigen Ausschuss Gehör.
Durch die Verkleinerung des Gremiums auf 11 Mitglieder und die Bereitstellung eines eigenen Budgets sowie die Möglichkeit, Anträge an den zuständigen Stadtratsausschuss zu stellen, entsteht eine wirkungsvolle, effiziente und gestaltungsmächtige Vertretung der Jugend.








Unsere Forderung lautet daher:
Cloppenburg soll einen Jugendstadtrat einrichten. Wir wollen daher einen unabhängigen und selbstbestimmten Jugendstadtrat:

- Wir wollen einen kleinen, effektiven und gestaltungsmächtigen Jugendstadtrat.
- Jeder Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren kann gewählt werden.
- Jeder Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren darf seine Vertreter wählen.
- Der Jugendstadtrat wird für 2 Jahre gewählt.
- Der Jugendstadtrat erhält ein eigenes Budget ( 2.000 Euro ) und kann eigenständig darüber verfügen.
- Anträge des Jugendstadtrats müssen im darauffolgenden Ausschuss für Familie, Soziales, Jugend, Sport, Kultur und Markt behandelt werden.

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